Eines der wunderbaren Sachen an samenfesten Sorten sind die Geschichten, die sie mit sich bringen. Wenn Etwas von Person zu Person, Generation zu Generation weiter gegeben, als Andenken mitgenommen oder als Geschenk verpackt wird kommt es nicht drum herum von unzähligen Geschichten begleitet zu werden.
Auch ich möchte in die Welt des Saatgutes mit Geschichte eintauchen. Auch wenn die Sorten in meinem Garten für mich bis jetzt noch nicht viel Geschichte haben, habe ich ein wenig recherchiert um etwas über sie heraus zu finden. Aber die Zeit wird bestimmt neue Geschichten mit sich bringen. Wer weiß, vielleicht werde ich eines Tages Teil von der Geschichte einer dieser Tomaten, wenn auch nur für einzelne Personen.
Tomaten eignen sich wunderbar um eine eigene Saatbank aufzubauen, sie in den folgenden Jahren wieder anzubauen und mit Freunden, Familien oder interessierten Bekannten zu teilen.
Goldiana
Die kleine orangene Cherrytomate habe ich auf dem Solawi Betrieb kennen gelernt, auf dem ich zwei Jahre gearbeitet habe. Dort hatten wir sie an den Enden der Tomatenreihen gepflanzt, da bei der Ausgabe der kleinen Cherrytomaten-Jungpflanzen an unsere Mitglieder noch ein paar übrig geblieben waren. Und sie waren köstlich. Man konnte nicht an ihnen vorbei gehen ohne welche zu pflücken und direkt zu naschen. Goldiana durfte daraufhin den ersten Platz in meiner eigenen kleinen Saatgutbank einnehmen.
Entstanden ist sie als Samenfeste Nachbausorte der Goldita F1. 2004 wurden die ersten Pflanzen ausgesäht, was sie zu einer recht jungen Tomatensorte macht. Erst im Winter 2015/16 wurde die Sortenentwicklung beendet und 2017 im Bundessortenamt als
Amateursorte zugelassen. [3]
Rondobella
Die Geschichte der Rondobella ‚298/1‘ ist bis jetzt auch eine sehr kurze. Sie wurde von der Uni Göttingen und Culinaris als robuste Freilandtomate gezüchtet. [2] Viel mehr gibt es leider nicht zu sagen. Aber das kommt hoffentlich noch.
Brandywine
Diese eher spät produzierende Fleischtomate ist eine alte Sorte, die bereits 1886 in einem Burpee Saatgutkatalog als „Tuner’s Hybrid“ geführt wurde. Durch ihre lange Geschichte sind viele verschiedene Versionen dieser entstanden. In der einen heißt es, dass sie seit 200 Jahren von den Amish angebaut wird, andere erzählen von der Familiensorte, die nach 80 Jahren Anbau in Ohio 1982 an die Amerikanische Seed Savers Exchange gegeben wurde. Auch die Engländer behaupten, die Brandywine Tomate stamme von ihnen und sei mit Booten in die USA gelangt.
Die Tomate soll entweder ihren Namen durch den Brandywine Creek bekommen haben, oder ihren Ursprung im schwedisch oder dänischen gefunden haben und nach dem verbrannten (burnt) Wein (wine) benannt worden sein.
Inzwischen wird es wohl verschiedene Stränge der Brandywine Tomate geben und vielleicht stimmen ja alle Versionen ihrer Geschichte. [1] Nichtsdestotrotz ist sie eine der meist geschätzten Tomatensorten der USA und ich bin sehr gespannt, wie sie sich in meinem Garten entwickeln wird.
Tigerella
Bei der Tigerella handelt es sich um eine rote Tomate, die mit ihren orangenen Streifen ihrem Namen alle Ehre machen soll. Ich habe sie bis jetzt noch nicht angebaut, und kann es somit noch nicht bestätigen.
Sie kam in den 70er Jahren in Großbritannien auf den Markt, wo sie in den 50ern und 60ern von Dr. L.A. Darby im Glasshouse Crops Research Institute in Sussex, England gezüchtet wurde. Dafür wurde die altbekannte Sorte Alisa Craig mit einer uns jetzt unbekannten Sorte gekreuzt. Aus dieser Kreuzungslinie sind ebenfalls die Schwestern Tangella und Craigella entstanden. [4]
Zu mir ist die Tomate durch einen geschenkten Saatgutkalender gelangt. Ich bekam ihn von meiner Schwester zu Weihnachten 2023
Gedanken
Als ich mir die Sorten raus gesucht habe, war es mir am wichtigsten Samenfeste Sorten zu haben, die sich auch im Freiland gut machen, da ich zur Zeit kein Gewächshaus habe und auch wenig Lust auf ein kleines Tomatenhaus aus Plastik habe.
Der Anbau der Goldiana war für mich klar, auch wenn ich noch eine zweite Cherry Tomate, Black Cherry, in meiner eigenen Saatgutbank habe. Diese werde ich wahrscheinlich nächstes Jahr wieder raus kramen, bis jetzt hatte ich noch nicht viel Erfolg mit ihr. Das mag aber wohl eher an suboptimalen Anbaubedingungen liegen, als an der Tomatensorte selbst.
Darüber hinaus wollte ich gerne eine Fleischtomate und eine Salattomate. Nach kurzer Recherche bin ich hier auf Brandywine (da hat mich auch die lange Geschichte gereizt) und Rondobella gestoßen. Irgendwo muss man ja anfangen, wenn man gute Sorten für sich selber finden will. Tigerella kam dann zufällig noch hinzu und da ich das Saatgut dann hatte wollte ich sie auch gerne ausprobieren.
Aussicht
Ich werde euch auf jeden Fall über mein Tomatenjahr 2024 auf dem laufenden halten: wie die Tomatenpflanzen sich im Freiland entwickeln, wann sie ihre ersten Früchte tragen und wie diese schmecken. Ganz zum Schluss der Saison möchte ich gerne ein Fazit ziehen, mit dem Ernteertrag und natürlich mein eigenes Saatgut aufbewahren zum Wiederanbau, tauschen und verschenken.
Für das kommende Jahr werde ich mir wahrscheinlich mit weniger Zeitdruck ältere Sorten raus suchen, die über die Jahre immer wieder erprobt wurden. Gerne würde ich mehr Recherche betreiben, was für Alte Sorten in Deutschland und vor allem in Sachsen (mein aktueller Gartenstandort) angebaut und geschätzt wurden um ein Teil der Geschichte weiter zu tragen.
Auf ein gutes Tomatenjahr,
bis zum nächsten Mal

Quellen
- [1] Tomato Bible: Brandywine Tomato Profile & Grow Guide https://www.tomatobible.com/brandywine-tomato/ Zuletzt abgerufen: 10.05.2024
- [2]Lubera: Salattomate, Freilandtomate Rondobella (298/1) https://www.lubera.com/de/shop/salattomate-freilandtomate-rondobella-298-1_produkt-2279379.html Zuletzt abgerufen: 10.05.2024
- [3] Kultursaat: Goldiana Sortenbeschreibung: https://www.kultursaat.org/dateien/zuechtung/sorten/goldiana.pdf Zuletzt abgerufen: 10.05.2024
- [4] Rote Tomaten: Tigerella – Tomatensorte: https://www.rote-tomaten.de/tigerella.php Zuletzt abgerufen: 11.05.2024

