Meine Gartenphilosophie oder „Wie Ich Meinen Eigenen Paradiesgarten Wachsen Lassen Will“

Jede Gärtnerin ist anders und somit auch jeder Garten. Jeder hat seine eigenen Vorlieben, ihre Bedürfnisse und Vorstellungen. Und das ist wunderbar so, da die Natur von Vielfalt lebt.

In diesem Beitrag möchte ich meine Gartenphilosophie mit euch teilen und die Ziele meiner Landsortenzucht festhalten.

Vielleicht kann dies als etwas Inspiration für dich dienen, Zusammenarbeit fördern oder einfach nur als Notiz für mich selber gelten, um festzuhalten, wo meine Prioritäten liegen.

Mein eigener Paradiesgarten

Joe Hollis prägte den Begriff Paradise Garden (deutsch: Paradiesgarten) um sein Berggarten zu beschreiben. Es sollte ein botanischer Garten sein, der voll ist mit nützlichen Pflanzen, welche ornamental angeordnet sind. Hier soll durch ein tägliches tun in einem Flow Zustand der Paradisgarten entstehen und den Dialog zwischen der Gärtner*in und Gaya widerspiegeln. Dies erlaubt es uns in unsere ökologische Nische zurückzukehren und unsere Bedürfnisse wieder direkter durch die Natur decken zu lassen [1].

Für mich ist ein Paradisgarten eine Symbiose mit einem Ort, von der beide Seiten profitieren können. Der Mensch wird schnell als Schädling für den Planeten Erde abgestempelt, dabei ist er in der Lage so viel gutes für sie zu tun, wenn er dies doch nur möchte. In meinem Paradisgarten möchte ich ein Nützling sein, der durch die Kultivierung, Gestaltung, Bodenaufbau und viele weitere Prozesse einen positiven Wandel anstößt.

Ich möchte das Land nicht dazu zwingen, etwas zu tun, sondern eher Möglichkeiten eröffnen und mir durch Chaos- und Landsorten Gärtnern von ihm zeigen lassen, zu was wir gemeinsam fähig sind.

Irgendwann soll mein Garten eine bunte Mischung aus essbaren und blühenden Bäumen, Sträuchern, Kräutern und einjährigen Pflanzen sein in dem ich viel der anfallenden Arbeiten der Natur überlassen kann.

Wie möchte ich das erreichen?

Der Weg zu meinem Ziel könnte wahrscheinlich relativ leicht mit „Permakultur“ beschrieben werden, aber so leicht möchte ich es mir nicht machen. Ich möchte klare Vorgehensweisen für mich als Wegweiser haben, wie ich meine Ziele erreichen kann oder die euch inspirieren können, euren eigenen Paradiesgarten wachsen zu lassen.

Wirklich alle Methoden aufzulisten würde hier vermutlich mehr als den Rahmen sprengen aber ein paar der wichtigsten möchte ich doch mit euch Teilen:

Technikfreies Gärtnern

Aus reiner Sturheit oder Überzeugung mich unabhängig vom Großkonzernen machen zu wollen bewirtschaftet ich meinen Garten technikfrei. Das heißt es kommen keine motorisierten Geräte zum Einsatz sondern nur mechanisch betriebene Werkzeuge wie Sense, Schaufel, Hacke und Sichel. Mark Boyle dürfte hier wohl mit seinem Buch „The Way Home“ inspirierend zur Seite gestanden haben, welcher seine Erfahrungen komplett ohne Technik hier über dem Zeitraum von einem Jahr fest hielt.

Der Garten soll ein möglichst resilienter Baustein in meinem Leben sein, da möchte ich gerne die Fähigkeiten erlernen, ihn ohne den Einsatz von motorisierten Geräten zu bewirtschaften.

Buchtipp: The Way Home von Mark Boyle

No Dig

Meine Beete möchte ich, inspiriert von Charles Dowding, nach der „no-dig“ Methode pflegen. Das heißt ich möchte die Bodenbearbeitung so gering wie möglich halten, nicht nur um mir selber die Arbeit zu erleichtern, sondern primär um die Bodenstrukturen intakt zu halten und die Bodenlebewesen nicht unnötig durch umgraben zu stören oder zu verletzten.

Die Anlage der Beet erfolgt im Idealfall einfach durch aufschütten von Kompost, kann aber aufgrund von fehlendem Material, auch durch einmaliges umgraben erfolgen. Ich möchte das nutzen, was ich habe, und wenn etwas fehlt muss man anders kreativ werden. So sind bereits ein paar Beete nach der „Lazy-Bed“ Methode entstanden und werden darüber hinaus jedoch nicht wieder umgegraben. Abhängig von den Bodenverhältnissen konnte ich die Grasnarbe auch recht einfach locker hacken und entfernen und so Platz für meine Gemüsepflanzen schaffen. Dies hat die Bodenhorizonte etwas besser erhalten können.

Durch jährliches Mulchen mit Kompost soll der Boden weiter gefüttert werden und die besten Voraussetzungen für meine Pflanzen bieten.

Youtube Tipp: Charles Dowding

Hummusaufbau

Hier sehe ich wohl am meisten Potenzial für den Menschen sich nützlich zu machen: den Hummusgehalt in der Erde erhöhen. Dieses erhöht nicht nur die Wasserspeicherkapazität, erhöht die Durchlebung mit Bodenmikroorganismen sondern kann auch wahnsinnig viel CO2 langfristig binden. Pflanzenkohle ist eine stabile Form des Kohlenstoffes und kann diesen im Boden über Jahrhunderte fixieren. Die Herstellung gestaltet sich auch gar nicht mal so kompliziert wie man vielleicht zu erst vermuten lässt und kann ungewollte Pflanzenmasse, bei uns die lästigen Brombeersträucher die den Garten übernehmen wollten, in einen wunderbaren, wertvollen Rohstoff umwandeln. Zusammen mit Kompost, Mulch und Chop and Drop (Abschneiden und Hinwerfen) können so Böden aufgewertet werden, wovon nicht nur die Pflanzen profitieren, sondern alle Lebewesen.

Durch eine ganzjährige Bepflanzung der Beete werden diese nicht nur vor dem auswaschen geschützt sondern die Fläche ideal genutzt und zusätzliche Biomasse entsteht. Pflanzen halten den Boden mit ihren Wurzeln zusammen und speichern Wasser und verhindern so das wertvoller Oberboden und Ressourcen verloren gehen. Eine Beschattung der Oberfläche verlangsamt sie Verdunstung des gespeicherten Wassers und schützt gleichzeitig den Boden vor starkem Regen. Essbare Begrünung, auch über den Winter, liefert so nicht nur Lebensmittel sondern schützt auch den Boden und verbessert diesen.

Auch eine Trockentrenntoilette soll in naher Zukunft mit in den Garten wandern. So können wir nicht nur unseren Bedürfnissen nach gehen, sondern sparen Wasser und können die Ressourcen auch nutzen und spülen sie nicht mit wertvollen Trinkwasser den Abfluss hinunter. Die kann gesondert kompostiert und dann genutzt werden um zum Beispiel die Obstbäume, oder andere Sachen ohne direkten Bodenkontakt, zu düngen. Wenn man sich etwas näher mit dem Thema auseinandersetzt (siehe Buchtipp) ist es erstaunlich, dass wir unsere herkömmlichen Spültoiletten überhaupt noch haben.

Gerade in Hinblick auf die Klimakatastrophe sind diese Methoden so wertvoll. Die Menge an Kohlenstoff, die in einem kleinen Garten gespeichert werden können können zwar nicht die ganze Welt verändern aber auch Kleinvieh macht bekanntlich Mist und je mehr Gärtner*innen diese Methode umsetzten umso größer ist unsere gemeinsame Wirkung. Aber auch vor Ort kann dies deinen Garten klimaresillienter machen, da ein gesunder Boden nicht nur die Pflanzen, auch in Stresszeiten, unterstützt sondern deutlich mehr Wasser speichert und der Garten besser vor Extremwetterbedingungen geschützt ist.

Buchtipp: Die Hummusrevolution von Ute Scheub und Stefan Schwarzer

Buchtipp: The Humanure Handbook von Joseph Jenkins

Landsorten

Eine Klimaresilienz kann auch durch die gezielte Nutzung standortangepasster Pflanzensorten gefördert werden. Die wenigsten der kommerziell verkäuflichen Sorten werden jedoch auf diese angepasst sein, da sie unter stark beeinflussten Bedingungen wachsen und jeder Standort mit seinen Bedingungen einzigartig sind. Um die richtigen Sorten für deinen Standort zu finden kannst du entweder diverse durchprobieren oder einfach deine eigenen Züchten, sogenannte Landsorten. Dafür werden viele verschiedene Sorten gekreuzt und diese durch natürliche Selektion und deine eigenen Präferenzen ausgelesen und ihr Saatgut gewonnen, welches im nächsten Jahr wieder angebaut wird. So entstehen über die Jahr eigene Sorten, die immer besser an dich und deinen Standort angepasst sind.

Das Züchtungsziel meiner Landsorten variiert von Art zu Art etwas und diese werde ich in den entsprechenden Beiträgen detaillierter mit euch teilen. Allgemein gilt jedoch, dass ich natürlich gesunde, standortangepasste Pflanzen züchten möchte, die geschmacklich und mengenmäßig eine gute Ernte erzielen. Ich möchte die Pflanzen nicht groß Pflegen müssen, im Idealfall nur ein paar Samen in die Erde stecken, ab und zu nach dem Rechten sehen, sie behutsam in die passenden Bahnen lenken und, zu guter Letzt, natürlich Ernten. Eigenes Saatgut zu ernten erleichtert zudem das Chaosgärtnern, da ich mit keinem großen Mehraufwand zahlreiche Samen zur Verfügung habe, mit denen ich etwas großzügiger beim Sähen umgehen kann.

Chaos Gardening

Chaos Gardening ist eine Art des Gärtnerns, welches Recht viele Freiräume lässt. Meine Interpretation geht in die Richtung Samen kunterbunt in die Beete zu werfen und zu sehen was wo wächst.

Da ich die Aussaat gerne hauptsächlich durch Direktsaat vornehmen würde, sodass sich die Pflanzen ihren idealen Keimzeitpunkt selber wählen können und ihnen ein Umpflanzen erspart bleibt, passt Chaos Gardening ganz gut zu diesem Ziel. Durch reichliches Sähen an verschiedenen Orten kann ein Überschuss an Pflanzen entstehen und ein weniger ideal gewählter Standort entscheidet nicht alleine darüber ob die Kultur dieses Jahr etwas wird.

Waldgarten

Ohne das Zutun von Menschen oder Großherbivoren (die es bei mir im Garten nicht gibt) verwandeln sich Landökosysteme in unseren Breiten nach und nach in einen Wald. Und auch mein Garten soll diese Richtung einschlagen. Aber nicht irgendein Wald, nein ein Waldgarten. Anstelle von den uns bekannten Buchen, Eichen, Birken, Farnen, Sträuchern und Gräsern soll ein strukturreicher Wald aus Nuss- und Obstbäumen entstehen, Himbeersträuchern, Kräutern, ein- und mehrjährige Gemüsepflanzen und natürlich Blumen. Eine bunte Mischung in der ich Sammeln gehen kann und meinen Paradiesgarten in vollen Zügen genießen darf.

Damit erstmal genug aus meinem Garten.

Bis zum nächsten Mal,


Quellen

[1] Paradise Gardening (an essay by Joe Hollis) — Mountain Gardens (mountaingardensherbs.com)

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