Artgerechte Bienenhaltung? – Zuwachs im Garten

Seit mehreren Jahren beschäftige ich mich bereits mit der Bienenhaltung. Zumindest in Theorie. Dabei war mir von Beginn an eines sehr wichtig: eine artgerechte oder auch wesensgemäße Halten der faszinierenden Insekten.

Die natürlichste „Haltung“ wäre in einem Bienenbaum, aber etwas mehr Kontakt möchte ich dann doch. Ich möchte sozusagen das natürliche Zuhause so gut es geht mit modernen Betriebsweisen vereinen.

Der Anfang der kleinen Imker-Bibliothek

Angefangen hat alles mit einem Buch von Fedor Lazutin: „Keeping Bees with a Smile“. In diesem stellt er seine Betriebsweise mit der Horizontalen Beute, einer Lazutin Beute mit extra tiefen Langstroth Rahmen, vor. Lazutin ist dafür bekannt, dass er die Imkerei als eine harmonische Beziehung zwischen Mensch und Natur betrachtet, und er legt großen Wert auf die Gesundheit und das Wohlbefinden der Bienen. Sein Ansatz zur Bienenzucht umfasst oft natürliche Methoden und fördert ein nachhaltiges und umweltbewusstes Imkern.

Dieses Buch war für mich der perfekte Einstieg, da ich schon direkt eine Vorgehensweise an die Hand gegeben bekommen hatte, die für mich Sinn machte.

Übersetzt wurde es aus dem russischen ins englische von Dr. Leo Sharashkin welcher auch auf seiner website HorizontalHive viel seines Wissens zur Verfügung stellt. Er selber nutzt die Layens Rahmen in seinen Beuten, welche in dem Buch „Keeping Bees in Horizontal Hives“, von George de Layens und editiert von Dr. Sharashkin, vorgestellt werden.

In Deutschland sind die Layens Beuten, und dementsprechend auch die Rahmen, überhaupt nicht verbreitet. Doch ich war überzeugt von den Rahmen, die hochkant waren, anstelle der üblichen Querrahmen.

Nach langem hin und her überlegen, ob Rahmen der Marke Eigenbau eine gute Möglichkeit wären, bin ich allerdings auf ein weiteres Buch gestoßen:

Das Buch „Imkern mit der Einraumbeutevon Johannes Wirz und Norbert Poeplau stellt ein ganz ähnliches System vor, welches hier aus Deutschland kommt: die Mellifera Einraumbeute, mit Dadant Hochkant Rahmen. Hier hatte ich nun ein Rähmchenmaß, was meinen Vorstellungen entsprach (weitere Infos siehe unten) und in Deutschland auch erhältlich ist.

Die richtige Beute Soll es sein

Nachdem die Frage des Rähmchenmaßes geklärt war, kam die der richtigen Beute auf.

Für die Beute meiner Bienen hatte ich, vor allem durch „Keeping Bees with a Smile“ und auch dem Buch „Bienendemokratie“ von Thomas Seeley vier Punkte dir mit wichtig waren:

1. sie soll gut isoliert sein

Bei der Isolierung einer Beute scheint es viel Diskussionsbedarf im Netz zu geben. Die einen sagen die 18 bis 22 mm der klassischen Beuten reichen vollkommen aus, die anderen sind der Meinung eine gute Isolierung bringt eine Reihe von Vorteilen. Ich finde zweites deutlich plausibler, ein hohler Baum hat in der Regel ja auch etwas dickere Wände als nur 2 cm.

2. sie soll aus natürlichen Materialien sein, so weit dies möglich und sinnvoll ist

mir ist generell sehr wichtig meine Umgebung, so weit es geht, aus natürlichen Materialien zu gestalten. Bei der Bienenbeute sollte es nicht anders sein.

3. sie soll ein Volumen um die 50 Liter haben

Thomas Seeley erforschte das Verhalten von Bienenschwärmen und wie diese ihre neue Behausung auswählen. Dabei könnte er feststellen, dass diese ein Volumen von 40 bis 60 Liter bevorzugen.

Darüber hinaus, oder vielleicht gerade deswegen, ermöglicht eine kleinere Behausung, als das was in der konventionellen Imkerei so gängig ist (120 l und mehr), gesündere Bienen. Bienen haben den Instinkt ihre Behausung zu füllen und umso größer sie ist desto länger braucht dies. Wenn sie aber hingegen früher fertig sind, bleibt noch Zeit und Energie für andere wichtige Dinge: Sauberkeit, Hygiene und ja, auch die Fortpflanzung über den Schwarm. Auch dies verbessert die Gesundheit der Bienen. Aber dazu vielleicht ein anderes Mal mehr.

4. sie soll Platz für Rahmen mit einem ausreichendem Zehrweg haben

Der Zehrweg ist der Weg, den die Wintertraube geht um sich über den Winter mit Honig zu versorgen. Dieser beträgt ca. 1 mm pro Tag und geht in der Natur von unten nach oben. Somit haben hohe Rahmen den Vorteil eines längeren Zehrweges und erlauben eine besserer Verteilung der Wintertraube in einer Art Kugel, welches sich positiv auf den Wärmehaushalt auswirkt, da die Oberfläche der Traube reduziert wird. Im Gegensatz stehen hier eher flache Rahmen, auf denen sich die Wintertraube eher eiförmig bildet und somit auch eine größere Oberfläche hat, die warm gehalten werden muss.

Wie oben bereits beschrieben, war hier die Wahl auf Dadant Hochkant gefallen.

Selbst ist die Frau – Eigenbau

Leider konnte ich eine entsprechende Beute, welche all meine Kriterien erfüllt nicht auf dem gängigen Markt erhalten, sodass ich sie selber gebaut habe: hauptsächlich aus Holz und Wolle. Einen Klimadeckel gibt es auch dazu und dies alles für 10 Rahmen Dadant Hochkant, wie sie Mellifera e.V., der Verein für die wesensgemäße Bienenhaltung, auch nutzt und einen schönen Zehrweg aufweist, ohne eine Lücke zwischen zwei übereinander hängende Rahmen zu überbrücken.

Mein erster Schwarm konnte nun Ende Mai einziehen und ich bin schon sehr gespannt, wie sich das Projekt „Wesensgemäße Bienenhaltung“ weiter entwickelt.

Ein paar Ideen für eine zweite Beute habe ich tatsächlich auch schon gesammelt….

Aber das hat noch einen Moment zeit.

Bis zum nächsten Mal,

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