In meinem letzten Beitrag Gärtnern mit Landsorten – Landrace Gardening habe ich euch eine kleine Einführung in das Thema „Landsorten“ gegeben. Wie in dem Beitrag erwähnt, möchte ich gerne mein eigenes Landsorten Projekt starten. Da die Saison aber schon etwas fortgeschritten ist versuche ich mit dem zu arbeiten, was schon im Garten wächst und die größeren Pläne auf das nächste Jahr oder die Winterarten zu verschieben (Beitrag folgt).
In diesem Beitrag möchte ich für mich und andere Interessierte meinen Start in die eigene Landsortenzucht festhalten.
Tomaten (Solanum lycopersicum)
Im Garten habe ich folgende Sorten gepflanzt: Brandywine, Rondobella und Tigerella.
Ein Tomaten Landsortenprojekt soll, laut Joseph Lofthouse, etwas kniffelig sein. Die heute gängigen Tomaten sind inzwischen fast alle so gezüchtet, dass die Blütenblätter zusammen gewachsen sind und die Narbe und Staubbeutel verschließen, wodurch sie nicht von Insekten bestäubt werden können und sich nur noch selbst bestäuben. In der Landsortenzucht ist das eine unbrauchbare Eigenschaft, da sie von Kreuzungen und Mischungen lebt.
Darum habe ich mir meine Tomatenblüten mal etwas genauer angesehen:

Die kleine Cherrytomate Goldiana, die ich zusätzlich noch auf dem Balkon stehen habe, hat genau diese Ausprägung. Die Blütenblätter sind geschlossen, sodass man weder Narbe noch Staubbeutel von außen sehen kann. Für die Sortenerhaltung ist dies wunderbar, da man mit hoher Sicherheit davon ausgehen kann, dass sie sich selbst bestäubt und dadurch die Samen die gleichen Eigenschaften wie die Elternpflanze haben. Für das Projekt der Lansortenzüchtung ist dies leider nicht so vorteilhaft, da keine Kreuzung stattfindet.

Die Brandywine Tomate hat einen etwas anderen Blütenaufbau. Die Narbe ragt heraus und die Blütenblätter sind nicht komplett geschlossen. Hier kann es vielleicht zu Kreuzungen kommen. Da es die einzige Sorte im Garten ist, wo gegebenenfalls eine Kreuzung statt finden kann werde ich dieses Jahr keine sonderlich diversen Samen ernten können. Nächstes Jahr will ich aber diversere Sorten Fleischtomaten anbauen, die eher eine offene Blüte haben und sich kreuzen könnten.
Kürbisse (Cucurbita moschata und Cucurbita maxima)
Meine Kürbislandsorten möchte ich gerne mit den Riesen-Kürbissen (C. maxima) und Moschus-Kürbissen (C. moschata) in Angriff nehmen. Bei den Gartenkürbissen (C. pepo) bin ich aktuell noch etwas vorsichtig, da hier auch Zucchinis und Zierkürbisse mit dazu gehören und mir das für den Anfang und die ersten Versuche etwas mehr Aufwand erscheint.

Bei den Riesen- und Moschus-Kürbissen habe ich aktuell jeweils nur eine Sorte im Garten wachsen (Muscat de Provence und Blue Kuri). Nachdem ich aber beschlossen hatte mein Landsortenprojekt zu starten habe ich davon direkt nochmal welche ausgesäht und auch noch zwei alte Samen von Uchiki Kuri, ebenfalls ein Hokkaido Kürbis, die ich vor Jahren mal gekauft hatte. Die Pflanzen, die bereits im Garten wachsen, haben schon stark unter den Nacktschnecken gelitten, sodass es nicht schaden kann, weitere auszusähen und sie der natürlichen Auslese der Umweltgegebenheiten überlassen zu können. Wenn ich dieses Jahr Saatgut von ihnen ernten kann ist es nur ein kleiner Start in mein Kürbis-Landsortenprojekt, aber einer, der mir im nächsten Jahr vielleicht schon ein paar Pflanzen bringen kann, die besser an meinen Garten angepasst sind. Für nächstes Jahr sollen auf jeden Fall noch weitere Sorten hinzu kommen, um die genetische Vielfalt und Kreuzungsmöglichkeiten zu erhöhen. Ich werde bestimmt auch aus dem einen oder anderen Kürbis aus anderen Gärten Saatgut entnehmen, da ich etwas meine Scheu vor Kreuzungen verloren habe und diese bestimmt auch gute Gene an zukünftige Generationen weiter geben können.
Mais
Mit dem Mais sieht es ähnlich aus wie bei den Kürbissen: ich habe für dieses Jahr nur eine Sorte im Garten angebaut (Tramut), möchte aber die besten Pflanzen schon mal als kleinen Vorsprung für meine tatsächliche Mais-Landsortenzucht verwenden. So ganz sicher, wie ich da anstelle, bin ich mir allerdings noch nicht, da ich die Ernte probieren möchte und gleichzeitig auch Samen sammeln will. Kann man die Kolben an der Pflanze einfach durchschneiden, eine Hälfte essen und die andere an der Pflanze abreifen lassen? Oder kann man auch getrocknete Samen des Zuckermais durch kochen wieder genießbar machen? Vielleicht wisst ihr da ja mehr als ich…?
Bis jetzt habe ich Zuckermais durch kurzes Kochen und anschließendes Trockenen erfolgreich haltbar machen können aber da habe ich noch nicht an Saatgutgewinnung gedacht…
Spaßeshalber habe ich auch noch ein Paar Popkornmaissamen mit in die Erde gesteckt, deutlich später als der Zuckermais. Vielleicht kann ich hier auch mit zeitlich unterschiedlichen Blühfenstern arbeiten um sowohl eine Zuckermaislandsorte zu züchten und eine Popkornmaislandsorte.
Nächstes Jahr möchte ich auf jeden Fall eine bunte Maissorte mit in den Ring werfen um die genetische Vielfalt zu erhöhen.
Kartoffeln

Bei den Kartoffeln möchte ich nächstes Jahr mal ausprobieren, welche aus Samen zu ziehen. Meine Kartoffelpflanzen blühen bereits, da bin ich sehr gespannt, ob diese aus tatsächlich Früchte und Samen bilden.
Angebaut habe ich dieses Jahr zwei Sorten (Rote Laura und eine bei dem ich den Namen vergessen habe). Diese könnten sich gegenseitig kreuzen und auch von den Kartoffeln meines Nachbarns könnten Pollen zu meinen Kartoffelpflanzen gelangen.
Ich bin sehr gespannt aufs nächste Jahr, da ich die Aussaat von Kartoffelsamen noch nie gemacht habe.
Zwischenfazit
Für den Herbst, Winter und das Frühjahr habe ich mir vor allem den Beginn einer Spinat und Lauch Landsortenzüchtung vorgenommen. Ich habe noch ein paar Spinatsamen und habe noch vier weitere Sorten bestellt, um sie großflächig auszusähen. Planmäßig werde ich recht viel Platz im Herbst für den Anbau zur Verfügung haben, sodass ich die fünf Sorten gut durchmischt ausbringen kann und zahlreiche Pflanzen habe und guten Gewissens ungewollte Eigenschaften raus selektieren kann.
An Lauch habe ich aktuell zwei verschiedene Sorten im Garten wachsen. Über die nächsten Monate möchte ich hier die besten Pflanzen identifizieren und diese über den Winter stehen lassen. Wenn sie ihn überstehen haben sie definitiv einen Platz in meiner Landsorte verdient, dürfen im nächsten Jahr Blühen und hoffentlich reichlich gekreuzte Samen produzieren.
Ich habe viele Pläne und ich merke wie meine Begeisterung und Vorfreude für Landsorten jetzt schon wächst. Viele von diesen Plänen werden vermutlich nicht ganz so laufen, wie ich sie mir vorstelle, aber auch daraus kann ich hoffentlich was lernen und die Pflanzen mit in die nächsten Generationen nehmen, die mich auf meinem Weg am besten begleiten können.
Ich merke wie mich die Rückschläge schon ein wenig frustrieren, wenn meine ersten kleinen Kürbisse von den Nacktschnecken aufgefressen werden oder meine Bohnen gar nicht erst keimen. Ich versuche die natürliche Auslese nicht als Rückschläge zu sehen, sondern als Fortschritte und einem Gewinn an gesünderen, resistenteren Pflanzen, die ihren Platz in meinen Landsorten erkämpft haben. Jeder Rückschlag am Anfang bringt idealerweise größere Fortschritte.
Bis zum nächsten Mal,



