Mensch und Westliche Honigbiene verbindet eine lange gemeinsame Geschichte: Schon die ersten Menschen wussten Honig und Wachs zu schätzen und suchten die Nähe dieser bemerkenswerten Insektenart. Vielleicht ist es diese lange gemeinsame Geschichte, die noch heute die tiefe Verbundenheit nährt, die viele Menschen zu den Bienen verspüren. Trotzdem sind die Menschen mit der Honigbiene nicht gut umgegangen: Heute, nach nur wenigen Jahrzehnten der intensiven Bienenhaltung, steht die einheimische Honigbiene kurz vor der Ausrottung, und auch unsere Imkervölker leiden Not. Doch es gibt Hoffnung, denn ein nachhaltiges und tiergerechtes Imkern ist möglich. Eine besondere Bedeutung kommt dabei den wild lebenden Honigbienen zu, die auch bei uns in den Wäldern und Landschaften gesund überleben. Was können wir von ihnen abgucken und in unsere Imkerpraxis übernehmen? Das vorliegende Buch stellt die wichtigsten wissenschaftlichen Erkenntnisse zusammen und erläutert, wie sie in der Imkerpraxis umgesetzt werden können.
Das Buch nimmt einen mit durch die Geschichte der Honigbiene und wie sie und der Mensch einen gemeinsamen Weg einschlugen. Heutzutage hat sich das Verhältnis zwischen Mensch und Honigbiene jedoch meist zum schlechten gewandt, da dieser die Natur von Apis mellifera nicht mehr berücksichtigt, sondern sie zu seinem eigenen Nutzen in eine Lebensweise zwängt, die auf kosten ihrer Gesundheit gehen.
Durch die Globalisierung und der damit verbundenem Austausch an Völkern und Rassen auf kontinentaler und auch globaler Ebene hat zu Verlusten von lokalen Anpassungen und Verbreitung von verschiedenen Krankheiten geführt, die wiederum den Einsatz von chemischen Medikamenten und chronisch kranken Völkern mit sich brachten, die ohne Behandlung nicht Überlebens fähig wären.
Ein Großteil des Buches behandelt die verschiedenen Krankheiten, Parasiten und Erreger sowie die verschiedenen Wege, wie der Mensch versucht hat(te) mit ihnen umzugehen, wozu zahlreiche wissenschaftliche Studien herangezogen werden.
Auch wenn ein „durchkauen“ der verschiedenen Krankheiten erst einmal etwas trocken wirken mag haben sich hierbei äußerst interessante Zusammenhänge und Kausalitäten herauskristallisiert, die meine Einstellung wieder und wieder bestätigt haben: wir müssen weg von chemischen Mitteln und hin zu lokal angepassten von Tieren (und auch Pflanzen).
Ich würde dieses Buch allen empfehlen, die Bienen halten oder dies gerne möchten.
Was ich für mich mitgenommen habe:
- Beuten sollten bienengerecht sein
- nicht zu groß (um die 50 L) und gut isoliert
- Eingriffe des Imkers sollten reduzieren werden
- dies führt zu Stress und stört das Mikroklima im Stock
- keine Brutentnahme oder Käfigen der Königin als biotechnische Bekämpfung von Milbenbefall
- dies ist nur im Ausnahmefall durchzuführen anstelle von chemischen Behandlungen
- dies führt zu Stress im Volk und Anfälligkeit von anderen Krankheiten
- kein Zufüttern von Zucker
- dies ist keine sinnvolle Nahrung für Bienen und reduziert die Lebenserwartung
- Naturbau als einzige Wabenform nutzen
- auch keine Mittelwände einbauen oder austauschen von Waben zwischen den Völkern, hierdurch können zahlreiche Krankheiten übertragen werden
- Propolisierung und verschiedene Nektar und Pollenquellen steigern die Gesundheit von Honigbienen
- Bienenbrot sollte nicht entnommen werden
- Rubus Pollen sind von besonders hoher Qualität
- Vermehrung durch Schwärme
- eine vertikale Vermehrung reduziert Krankheiten, u.a. durch Teilung des Erregerdruckes, natürliche Brutunterbrechungen und durch das natürliche Hygieneverhalten von Schwarmtrauben
- keine Reihenaufstellung von Bienenstöcken
- ein Abstand von 20-30 m ist gut, ein Abstand von 70 m besser da hierdurch der Verflug und damit auch die Möglichkeit von der Übertragung von Krankheiten auf 0% reduziert wird
- wild lebende Honigbienen sollten als Genschatz gesehen werden, nicht als Seuchenschleuder
- überschüssiger Honig sollte nach dem Winter im Mai/Juni geerntet werden, nicht im Spätsommer/Herbst
- dies ist nur mit eine chemiefreien Behandlung möglich
- Varroaresistenz durch natürliche Selektion und/oder selektierte Zucht ist der einzige Sinnvolle weg
Ich hoffe ich konnte euch einen kleinen Einblick in das Werk von Sigrun Mittl ermöglichen und ihr habt Lust bekommen einen natürlichen oder naturnahen Weg der Bienenhaltung einzuschlagen.
Bis zum nächsten Mal,



